Oberschule ''Gotthold Ephraim Lessing'' Lengenfeld

 

 

7.     Die Schulentwicklung nach  der friedlichen Revolution in der DDR

Durch den Beitritt der ehemaligen DDR zur Bundesrepublik  Deutschland am 3.10.1990 änderte sich viel in der Schullandschaft. Nicht mehr  die sozialistische Einheitsschule, sondern Bildungsvielfalt kennzeichnet die  Schule von heute. Alle Lehrer der Mittel- und Oberstufe mussten sich einer  staatlichen Überprüfung unterziehen, sich anschließend für Gymnasien,  Mittelschulen oder Förderschulen neu bewerben.
Mit der Einführung des neuen Schulsystems 1992/93 in Sachsen  gab es auch in Lengenfeld tiefgreifende Veränderungen. Die 5. bis 10. Klassen  der beiden ehemaligen polytechnischen Oberschulen wurden zur drei-, teilweise  vierzügigen Mittelschule “G. E. Lessing” zusammengefasst, deren  Schüler weiterhin in der „Oberen Schule“ und im Neubau der Parkschule  unterrichtet wurden. Zur gleichen Zeit wurde die POS Waldkirchen geschlossen.  Die Schüler der 5. – 10. Klasse und ein großer Teil der Lehrer kamen nach  Lengenfeld. Neue Schulleiterin wurde Ute Schönfelder.
Die 1. bis 4. Klassen beider Schulen wurden in zwei  selbstständigen Grundschulen, der “Stadtgrundschule” („Untere Schule“) und der  Grundschule ”Am Park”, unterrichtet. Diese Schulen leiteten Brigitte Hartisch  und Hannelore Preßler. 1996 wurde die Grundschule “Am Park” durch die Schüler  und Lehrer der Grundschule Waldkirchen erweitert, nachdem diese geschlossen  worden war.

Für die Kollegen der Mittelschule wurde das Unterrichten in  den kommenden Jahren oft schwierig, da sie während der Pausen quer durch die  ganze Stadt von einer Schule zur anderen fahren mussten. Dies war nur ein Grund  dafür, dass der Stadtrat nach teilweise überaus heftig und kontrovers geführten  Diskussionen am 24. Juni 1996 mit 11 zu 5 Stimmen bei einer Stimmenthaltung  eine Entscheidung zur künftigen Schulgebäudenutzung beschloss: „In Auswertung  ... der Schulentwicklungskonzeption, der Richtlinien und Empfehlungen des  Sächsischen Staatsministeriums für Kultus, der Anregungen und Forderungen der  Elternräte und unter Beachtung der dringlichen Hinweise des Staatlichen  Schulamtes hinsichtlich einer kapazitätsmäßig sicheren Gebäudeplanung wird die  Variante: Grundschule und Schulhort am Standort Oststraße und Mittelschule am  Standort Schulstraße / Kirchplatz realisiert.” Mit Beginn des Schuljahres 1998  war der Umzug abgeschlossen.

Die Grundschüler finden im gesamten Parkgelände ideale  Lern-, Arbeits- und Spielbedingungen vor. So wurden hier anfangs über 300  Kinder in 16 Klassen von 20 Lehrern unterrichtet. Die Grundschule zog in den  Neubau, die obere Etage des Altbaus wird seitdem vom Hort genutzt. Zwischenbau  und untere Etage des Neubaus nutzen Grundschule und Hort gemeinsam. Viele  bauliche Veränderungen sorgten auch für ein besseres Lernklima für unsere  Grundschüler. So wurden alle Räume mit modernen Möbeln ausgestattet, erhielten  neue Fußböden und helle Wandanstriche. Die Toiletten- und Waschräume des  Altbaus wurden modernisiert sowie beide Dächer instand gesetzt. Im Außengelände  konnten die Kinder von einem neuen Spielplatz und einem Schulgarten Besitz  ergreifen.

Die Schüler erhielten 2003 ein nagelneues, modern  eingerichtetes Computerzimmer mit Internetanschluss. In fast jedem  Unterrichtsraum konnte eine vernetzte PC-Lernecke eingerichtet werden. So haben  die Grundschüler seitdem nicht nur im Unterricht, sondern auch in dem neu  eingerichteten AG-Raum die Möglichkeit, moderne Medien zu nutzen.

Im Sommer 2004 beendete  Schulleiterin Hannelore Preßler ihren Dienst, und die Leitung übernahm  amtierend Barbara Hofmann. Zur selben Zeit begannen am Neubau der Parkschule  umfangreiche Renovierungs- arbeiten. So wurden die Fenster erneuert und das  Gebäude erhielt eine vollkommen neue Fassade. Nun leuchtet es in hellem Gelb  und ist von weitem als moderne Schule erkennbar. Der gesamte Umbau ist den  Verantwortlichen sehr gut gelungen!
 Viele neue Traditionen entwickelten sich seit Bestehen der  Grundschule, so z. B. das Gestalten von Programmen für Eltern und Großeltern,  die Teilnahme an vielen Wettbewerben oder die Abschlussfahrten der 4. Klassen  in den Waldpark Grünheide. Immer mehr Möglichkeiten bieten sich den Schülern,  ihre Freizeit sinnvoll in einer der zahlreichen Arbeitsgemeinschaften zu  verbringen. Seit dem Jahr 2006 wurden durch das Projekt des Ganztagsangebotes  „Leistungsdifferenziertes Fördern und Fordern” noch weitere Möglichkeiten  geschaffen. In enger Zusammenarbeit mit dem Schulhort werden den Kindern sehr  gute Betreuungsmöglichkeiten geboten.

Zurzeit lernen etwa 200 Kinder in neun  Klassen in der Grundschule „Am Park”. Die jährliche Schulanfangsfeier zählt zu  den großen Höhepunkten im Schulalltag. Damit der Eintritt für die Schulanfänger  ein Erfolg wird, bestehen enge Kontakte zu den umliegenden  Kindertageseinrichtungen. Die Kleinen kommen schon im Vorschuljahr zu Besuch in  die Schule oder lernen ihre zukünftigen Lehrer und Lehrerinnen im Kindergarten  kennen. Spätestens beim Abschiednehmen am Ende der Klasse 4 wird den Schülern  bewusst, dass sie gern in der Grundschule gelernt haben. Einige von ihnen  bleiben in der Stadt, also in vertrauter Umgebung, und wechseln in die  Mittelschule. Lehrer der Grund- und Mittelschule bemühen sich im engen  Zusammenwirken mit den Eltern, bei allen Schülern gute Startbedingungen für die  Klasse 5 zu schaffen.

Auch in der Mittelschule hat sich in den letzten Jahren sehr  viel getan. So ist zwar unsere Schule inzwischen eine “alte Dame”, aber eine  sehr moderne Einrichtung, die inzwischen von Schülern aus Irfersgrün,  Pechtelsgrün, Wolfspfütz, Weißensand, Abhorn, Schönbrunn, Waldkirchen, Schreiersgrün,  Rodewisch und Eich und seit dem letzten Jahr auch aus Obercrinitz, Bärenwalde,  Wildenau, Stangengrün, Lauterhofen und Hirschfeld besucht wird. Mit Hilfe  unserer Stadtväter haben sich die Bedingungen an unserer Schule spürbar  verbessert. Das Dach der „Oberen Schule“ wurde instand gesetzt, und die Fassade  erhielt einen neuen Anstrich. Die Toiletten wurden den modernen hygienischen  Bedingungen angepasst und die Kellerräume total umgestaltet. Die Schüler  erhielten im Keller einen neuen Garderobenraum, und wer will, kann seine  Schulbücher in gemieteten Schließfächern in der Schule einschließen. Für das  Fach Wirtschaft-Technik-Hauswirtschaft wurden gute Bedingungen geschaffen. Es  entstanden eine modern eingerichtete Schülerküche und ein Nähzimmer mit entsprechenden  Maschinen. Auf dem Boden befinden sich jetzt eine Schülerbibliothek und ein  Informatikmuseum. Die Fachkabinette für Chemie und Physik wurden vollkommen  erneuert, und viele Klassenzimmer erhielten eine neue Bestuhlung. Auch das  gesamte Schulhaus wurde innen umgestaltet. Auf den Korridoren verschwanden die  hässlichen abgetrennten Räume, die alles eng und dunkel wirken ließen. Dafür  wurden Glassicherheitstüren für den Brandschutz eingebaut und auf dem mittleren  Korridor neben zwei Computerkabinetten zehn weitere Computerarbeitsplätze für  die Schüler geschaffen, die in den Pausen ständig umlagert sind. Aktuelle  Schülerarbeiten zieren das hell und freundlich mit viel Grün gestaltete  Treppenhaus und geben allem eine angenehme Atmosphäre.

 Ebenso wurden die Bedingungen für den  Schulsport enorm verbessert, nachdem am 4. August 1995 eine neue  Mehrfelderturnhalle feierlich eingeweiht worden war, die auch die verschiedenen  Sportvereine der Stadt eifrig nutzen. 
2002 trat Ute Schönfelder in den wohlverdienten Ruhestand,  und seitdem leitet Andreas Winter die Geschicke unserer Einrichtung. Trotz  zurückgehender Schüler- zahlen arbeiten Schulleitung und Lehrerkollegium mit  großem Engagement an der weiteren Verbesserung der Vorzüge unserer Schule, um  diese auch für nachfolgende Generationen zu erhalten. So nahmen die Schüler  2005 ihr eigenes “Le Café” in Besitz, und die Lehrer freuen sich über die  besseren Arbeitsbedingungen im neu ausgestatteten Lehrerzimmer. Mit einem  großen Fest wurde der 2005 neu gestaltete Schulhof eingeweiht, dessen Umbau  durch die Unterstützung der Stadt, vieler Firmen, der Schüler, Eltern und  Lehrer möglich wurde. Und 2006 wurde endlich die große Aufgangstreppe zur  Schule grundhaft erneuert.
 Vielfältige Maßnahmen künden von den neuen Wegen und der  Attraktivität unserer Schule. So nehmen sich Schülerstreitschlichter selbst  auftretender Probleme an, lernen die Schüler im Methodentraining, wie man sich  Wissen effektiver aneignet. In verschiedenen Sportarbeitsgemeinschaften können  die Schüler trainieren und in Judo- und Skicamps ihre Technik verbessern. Das  Lehrschwimmbecken ist weit und breit das einzige, sodass es von vielen Schulen,  aber auch von der Bevölkerung genutzt wird. Es erfuhr inzwischen eine  Generalrenovierung. Bei vielfältigen Exkursionen und im fächerverbindenden  Unterricht erweitern die Schüler praxisnah ihr Wissen. Im Jahr 2005 wurde ein  Sprachintegrationszimmer eingerichtet, in dem Schüler mit sprachlichen  Auffälligkeiten, Lese-, Rechtschreibschwäche und mathematischen Problemen (Dyskalkulie)  Förderung erhalten, mit allen Sinnen lernen sowie Körper und Geist bewegen und  entspannen können. Die Schule erhielt dafür vom Sächsischen Kultusministerium  die Auszeichnung “Schule mit Idee”. Das erfüllte die an der Aktion Beteiligten  mit Freude und Stolz. Auch im Jahr 2006 wurde die Schule für das Projekt  „Hakuna Matata“ mit dieser Auszeichnung geehrt. Rhythmus und Trommelspiel haben  in der pädagogischen Arbeit einen hohen Stellenwert, da durch sie  Gemeinschaftssinn, Takt, Kreativität und Konzentration gefördert werden.
          
Und wer erinnert sich nicht gern an die Aufführungen der  Weihnachtsprogramme in den zurückliegenden Jahren, die von Schülern und Lehrern  mit viel Herzblut auf die Bühne gebracht und mit mächtigem Applaus des  Publikums belohnt wurden?
Man sieht, in der langen Geschichte des Lengenfelder  Schulwesens gab es viele Höhen und Tiefen, Licht- und Schattenseiten. Doch die  glücklichen Momente überwiegen eindeutig und sie zeugen vom Engagement all  derer, denen die Lengenfelder Schule ans Herz gewachsen ist. Dass wir dieses  Jubiläum feiern können und gleichzeitig die Sicherheit haben, dass die  Lengenfelder Schulen auch in Zukunft Bestand haben werden, das freut uns am  meisten. Mögen noch viele Schülergenerationen die Klassenzimmer der Lengenfelder  Schulen mit ihrem Lachen erfüllen.

 

Impressum
Die Redaktionskommission  beabsichtigt mit dieser Broschüre einen Abriss der Lengenfelder Schulgeschichte.  Vollständigkeit kann auf so wenigen Seiten nicht erreicht werden. Wir möchten  uns bei allen entschuldigen, die sich für das Schulwesen verdient gemacht haben  und die nicht oder nicht im besonderen Maße erwähnt worden sind. Bedanken  möchten wir uns beim Museum der Stadt für die zur Verfügung gestellten Texte  und Bilder und die Genehmigung zu deren Veröffentlichung. 
Wir danken für die  Zuschriften aus der Bevölkerung, die leider nicht alle beachtet werden konnten.  Besonders bedanken möchten wir uns bei Herrn Friedrich Machold für seine  Mitarbeit an der Broschüre. Dank gilt ebenfalls Herrn Holger Hartmann, dessen  Grundkonzeption einer Schulchronik diese Broschüre trägt.

 

Herausgeber:         Schulleitung  der Mittelschule „Gotthold Ephraim Lessing“ Lengenfeld
Redaktion:              Hans-Jürgen Schneider, Barbara  Schubert, Sabine Seidel, Andrea Stöckel