Oberschule ''Gotthold Ephraim Lessing'' Lengenfeld

 

 

Nachwuchs gesucht

Vor ein paar Jahren noch sorgten sich die Eltern, ob ihr Kind einen Ausbildungsplatz findet. Inzwischen werben Firmen händeringend um Azubis. Wie jetzt in Lengenfeld.


Mit 32 Firmen, Institutionen und Berufsschulen war die Bildungsmesse der Lengenfelder Oberschule am Donnerstag besser besetzt, als das die Veranstalter gehofft hatten: "Es gibt kaum noch einen freien Standplatz", sagte Joachim Oelschlägel, der stellvertretende Schulleiter.

Robert Kubirske (links) lässt sich von Dachdeckermeister Matthias Feldner den Umgang mit einem Dachdeckerhammer zeigen. Foto: Silvia Kölbel

Die große Nachfrage bei den Anbietern von Lehrstellen hat seinen guten Grund. An jedem Stand konnte man etwas über den Mangel an Fachkräftenachwuchs hören. Nicht ganz so groß war dagegen das Interesse der Eltern und Schüler. Oelschlägel berichtete: "Vor ein paar Jahren noch, als Lehrstellen Mangelware waren, schoben sich hier die Besucher dicht gedrängt durch die Gänge." Die Schule hält trotzdem am Konzept fest, denn es sei eine gute Gelegenheit, den Kontakt zwischen den Betrieben der Region und den jungen Leuten herzustellen. Gibt es auch keine Statistiken, die den Erfolg belegen, so wisse man doch, dass zum Beispiel der Betonsteinformenhersteller Kobra aus Lengenfeld seit Jahren zur Messe kommt. Die Firma übernimmt regelmäßig Absolventen der Oberschule als Lehrlinge. Diese wiederum tauchen ein paar Jahre später hier bei der Messe wieder auf und werben Azubis für ihren Betrieb.

Für die neue Schulleiterin Anke Barth war es die erste derartige Bildungsmesse an einer Oberschule, die sie mit organisierte. "Eine tolle Idee, an der wir in der Zukunft auf jeden Fall festhalten wollen", sagte sie.

Besucher, die mit Hauptfeldwebel Mirko Roch ins Gespräch kommen, das ist der Mann im Flecktarnanzug, hören oft mit Erstaunen, dass es neben der Ausbildung an militärischem Gerät auch sehr viele zivile Berufe bei der Bundeswehr gibt, angefangen vom Koch, über Verwaltungsmitarbeiter bis hin zu Fotografen. Roch: "Es interessieren sich mittlerweile genauso viele Mädchen wie Jungen für diese Berufe." Auch der Hauptfeldwebel zog ein positives Fazit: "Wir sind heute oft gefragt worden, welche Berufe wir anbieten."

In seiner Handwerkerzunft stach Dachdeckermeister Matthias Feldner aus der Masse hervor. Bei ihm konnten die jungen Leute gleich den Dachdeckerhammer in die Hand nehmen und Schiefer bearbeiten. Der 14-jährige Robert Kubirske aus Stangengrün probierte das Hämmern aus, blieb aber auch am Stand des Metallbaubetriebes Heckel stehen und sagte: "Die Handwerksberufe interessieren mich."

Der Dachdeckermeister vertrat das Landesbildungszentrum des sächsischen Dachdeckerhandwerks. Feldner: "In Sachsen gibt es jährlich 150 bis 200 freie Lehrstellen für diesen Beruf." Doch Berufe mit viel Handarbeit seien oft nicht so beliebt, so der Ausbilder. Die Teilnahme an einer solchen Messe ist aus Sicht des Handwerkers trotzdem eine nützliche Sache, denn: "Nur Nichtsmachen bringt nichts."

Über sechs verschiedene Ausbildungsberufe informierte Uwe Förster vom Kosmetikhersteller Londa aus Rothenkirchen. Auf seinem Tisch konnten sich die Interessenten allerlei elektronische Bauteile, die Teil einer Abfüll-Einrichtung für Haarfarben sind, anschauen. Mandy Schmidt aus Theuma, die auch Ausstellerin an einem anderen Stand war, schaute sich bei Londa und auch bei anderen Anbietern um: "Mein Sohn ist zwar erst in der siebten Klasse, aber ich will gut informiert sein und seine Fragen beantworten können, wenn er sich für das Thema Berufswahl interessiert", sagte die Mutter.

© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KGVon Silvia Kölbel erschienen am 25.11.2017